Die Korbjagd hat hier Tradition. In der Halle der Freundschaft wurden schon einige Wolmirstedter Basketball-Geschichten geschrieben. Unser Rückblick auf ganz besondere Highlights. In dieser Woche geht es um den goldenen Pokal-Herbst 1998.
Wir haben uns mit Erfolgstrainer Karl-Heinz “Kalle” Gärtner in Wolmirstedt getroffen und lange über einen Freudentaumel in dieser damaligen Saison gesprochen.
Am 16. Oktober 1998 war ENDLICH der große Basketball-Tag in Wolmirstedt. Dieser Freitag war ein Feiertag. Der deutsche Rekordmeister Bayer Leverkusen rollte im Mannschaftsbus vor die Halle der Freundschaft. Im DBB-Pokal hatte der OBC Wolmirstedt mit den “Riesen vom Rhein” das ganz große Los gezogen. “Wir hatten das bei unseren Heimspielen zuvor, immer ohne Vorverkauf, mit einer Tageskasse und einem Eingang geregelt bekommen. Diesmal hatte der Zuschauerandrang uns total überrascht. Plötzlich hatte sich eine halbe Stunde vor Spielbeginn eine Riesen-Schlange vor der “Hölle” der Freundschaft gebildet. Damit keiner den Tipp-Off verpasst, haben wir in Absprache mit den Schiedsrichtern und Bayer Leverkusens Trainer Kevin Oldham den Spielbeginn um 20 Minuten verschoben”, schmunzelt Trainer Karl-Heinz “Kalle” Gärtner. Die Schiedsrichter bei OBC vs. Bayer waren Wolfgang Ockert und Ulf Krayl. Ja, da spannt sich der Bogen in die Gegenwart. Ulf Krayl ist heute auch bei den Heimspielen der SBB Baskets eine echte Instanz am Kampfrichtertisch. Mit Erfahrung von Einsätzen bei der Nationalmannschaft. “Wolfgang Ockert aus Halle war zu der Zeit Erstliga-, ich 2. Bundesliga Schiedsrichter. Es war eine Ehre dieses Pokalspiel mit ihm zu leiten. Die Verlegung vom Spielbeginn hatten wir ohne Probleme mit Kevin Oldham abgesprochen. Aus Schiedsrichter-Sicht war es ein schönes Spiel, wir hatten nichts zu meckern. Ein absolutes Highlight”, erinnert sich Ulf Krayl an den standesgemäßen 109:66-Sieg von Bayer gegen den OBC. “Alles war rundum klasse, aber was mir immer noch im Gadächtnis geblieben ist, war die grandiose Stimmung. Das hat es danach nie wieder so gegeben. Eine einmalige Sache.”
Das konnte auch Coach Gärtner mit seinem Team genießen. “Wahnsinn was hier los war. Das Catering, bekannt war die leckere Hallen-Soljanka, wurde aufgestockt, die Frauen vom Förderverein schmierten sich bei den belegten Brötchen die Finger wund. Der Eintritt lag sonst bei 3 Mark, diesmal gegen Bayer Leverkusen mit Topzuschlag bei 5 Mark. Es wurden spontan kleine Extra-Sitzreihen hinter beiden Körben aufgebaut. Offiziell hieß es 850 Zuschauer, aber gefühlt waren es wohl 1500. Die Halle der Freundschaft habe ich nie wieder so proppevoll gesehen. Die Riesen vom Rhein haben uns mitspielen lassen, trotz des großen Leistungsunterschiedes war es ein kurzweiliges Spiel. Alle Zuschauer waren begeistert. Auch von Bayer-Coach Kevin Oldham mit seiner Erscheinung. Neben seiner fachlichen Präsenz, sehr nett, auch in Wolmirstedt wurde er seinem Ruf als bestangezogener Bundesliga-Trainer gerecht.”
Warum ein OBC-Topspieler das Pokal-Highlight verpasste, weshalb man sich später vom Publikumsliebling trennte und was vor 23 Jahren wie heute der Wunsch von “Kalle” Gärtner war und ist, erzählen wir exclusiv morgen im vierten und letzten Teil der Wolmirstedter Pokal-Story…